»Neben den großen Enzyklopädien der Theologie ist vielleicht ein kleineres und erschwingliches Wörterbuch sinnvoll und nützlich« – so das bescheidene Vorwort von Herbert Vorgrimler zu seinem »Neuen Theologischen Wörterbuch«. Knapp 40 Jahre nach der Veröffentlichung des »Kleinen theologischen Wörterbuchs« (1961, zusammen mit Karl Rahner) hat der römisch-katholische Dogmatiker Vorgrimler mehr als eine aktualisierte Neuauflage geliefert: sein »Neues Theologisches Wörterbuch» atmet den Geist einer katholischen Theologie, die sich, inspiriert durch den Aufbruch des Zweiten Vatikanischen Konzils, in ökumenischer Weite entfaltet, statt sich ängstlich hinter römische Grenzpflöcke zurückzuziehen.

Angesichts in letzter Zeit immer mehr antiökumenischer Bestrebungen aus Rom zeigt das kompakte Handbuch den möglichen Horizont katholischer Theologie auf. Die wesentlichen theologischen Themen aus Dogmatik und Bibelwissenschaft, Kirchengeschichte und Moraltheologie, Spiritualität und interreligiösem Dialog sind ökumenisch sensibel erfasst. Herkunft und Bedeutung der Begriffe und ihr Problemhintergrund werden sorgsam abgewogen, aber auch wissenschaftlich präzise erläutert – und das alles in einer für theologische Literatur erfreulich verständlichen Sprache.

Bei aller wissenschaftlicher Seriosität erklärt Vorgrimler viele Stichworte mit deutlicher Sympathie, so wenn er christliche Basisgemeinden als »Prototyp für innovative Sozialformen des Christentums« würdigt, den Kampf der Amtskirche gegen die Befreiungstheologie als »durch gewollte Mißverständnisse, Unverständnis für das Pathos der befreienden Sprache, Furcht vor marxistischer Unterwanderung der Kirche gekennzeichnet« sieht, oder beim Begriff »Frauenordination« feststellt, dass es »zwingende theol. Gründe für einen Ausschluß der Frauen vom ‚geweihten Amt‘, auch vom Weihepriestertum, nicht gibt«.

Beim innerkirchlichen Modewort der »Communio-Theologie« gibt Vorgrimler zu bedenken, diese Redeweise könne »interessebedingt (…) dazu dienen, (…) Forderungen nach Mitsprache aller in der Kirche usw. ideologisch abzuweisen«; bei den in letzter Zeit arg strapazierten »unfehlbaren« oder »definitiven« Aussagen erinnert er das Lehramt an die »argumentative Beweispflicht; die bloße Behauptung, seine Ansicht sei authentisch u. definitiv, gehört nicht in den Bereich des Glaubens, sondern sie ist allenfalls disziplinarischer Natur.« Wie ein vorweggenommener Kommentar zur umstrittenen Enzyklika »Dominus Iesus« liest sich sein Beitrag zur pluralistischen Theologie: »In dieser Situation muß die kirchliche Leitungsinstanz in erheblich größerem Umfang als früher den theologisch Tätigen die Verantwortung dafür überlassen, daß sie sich selber ehrlich in Übereinstimmung mit dem kirchlichen Bekenntnis befinden.«

Mehr als eine »Zugabe« ist die beiliegende CD-ROM: neben allen Stichwörtern des Buches finden sich die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils, die bequem als Zitate in eigene Texte eingebaut werden können. Dank des Computers ist nun auch eine Volltext-Recherche über den ganzen Datenbestand möglich, sowie das direkte Springen von Stichwort zu Stichwort über die verlinkten Hinweise.

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