Ich wollte es lange selbst nicht glauben, aber heute ist auch mir klargeworden: Das »christliche Abendland« ist in Gefahr! Die Verwirrung wird immer schlimmer! Die Hoffnung des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken (»Hilfswerk für den Glauben«), sich mit der Einrichtung sogenannter »Weihnachtsmannfreier Zonen« dem drohenden Verfall unserer Kultur entgegenstemmen zu können, trügt: In einem Blogbeitrag des evangelischen Hilfswerks Brot für die Welt zum 6. Dezember, dem Festtag des Heiligen Nikolaus, wird eine ganz neue Heiligenlegende erzählt, die alle meine liebgewonnenen Kindheitserinnerungen bis ins Mark erschüttert. 

»Über das Leben des heiligen Nikolaus, der als Bischof in Myra wirkte, ist nur wenig belegt«, weiß Dr. Ruben Quaas, Referent Fairer Handel bei »Brot für die Welt«:

»Berühmt ist er bei uns heute nicht zuletzt für eine Geste, die jedes Kind kennt und die Jahr für Jahr in vielen Innenstädten am 6. Dezember nachgespielt wird. Nikolaus teilte seinen Mantel, behielt eine Hälfte und gab die andere einem frierenden, armen Mann. Wohlgemerkt: Er schenkte nicht seinen ganzen Mantel, um dann selbst frierend zurückzubleiben. Nein, er teilte. Denn der Mantel war groß genug für beide. Man musste ihn nur in der Mitte zerschneiden.«

Hmmm … war es denn jetzt der Nikolaus oder der Weihnachtsmann, der seinen Mantel teilte? Und an St. Martin müssen doch die Stiefel geputzt sein? Für das »Laternenfest« … ähmm … den »Martinszug«? Wie war das noch einmal mit St. Florian? Der zündet nur eine Doppelhaushälfte an und beschützt die andere?

Selbst die CSU ist kein Garant unserer »Leitkultur« mehr! Ausgerechnet am Nikolaustag ist Bayerns »Heimatminister« Markus Söder ein böser »Facebook-Fauxpas« unterlaufen. Das Internetportal katholisch.de stellt resigniert fest: Auch die bayerische Landesregierung ist keine »weihnachtsmannfreie Zone«. Dort will man nun »den Nachlass von Nikolaus weitergeben« – so tot war offenbar noch kein Heiliger!

Jetzt haben auch mich Glaubenszweifel gepackt! Ist denn nichts mehr so wie früher, in der »guten, alten Zeit«? Wurden inzwischen alle unsere Werte ausverkauft? Wie umgehen mit dieser kognitiven Dissonanz? Zur Sicherheit schaue ich noch mal schnell nach auf der Website über Bischof Nikolaus von Myra. Doch statt klare Antworten zu erhalten, werde ich mit neuen Fragen konfrontiert:

Nikolaus-Ausverkauf»Wussten Sie schon, dass … 

… im 16. Jahrhundert protestantische Geistliche in den mehrheitlich protestantischen Niederlanden – trotz grundsätzlicher Kritik an der Heiligenverehrung – mit dem Versuch, den Nikolaus abzuschaffen, scheiterten? 

… in Gebieten mit mehrheitlich katholischer Bevölkerung noch um 1900 nicht an Weihnachten, sondern am 6. Dezember, dem Nikolaustag, Geschenke verteilt wurden? 

… der Gartenzwerg ein entfernter Verwandter des heiligen Nikolaus ist?«

Nein! – Doch! – Oh!

Ein Glück, dass ich mir eine Eselsbrücke aus dem Religionsunterricht gemerkt habe: »Die vier Evangelisten sind folgende drei: Petrus und Paulus!«

PS: Bei »Dei Verbum« findet sich übrigens ein lesenswertes Plädoyer gegen christlichen Kulturpessimismus!

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